Prost…

… trinken wir auf das Leben! Im April vor vielen Jahren wollte ich meinem Leben ein Ende setzen, wie ihr sicher alle gemerkt habt, ist es mir nicht gelungen. Wie ihr auch wißt, hatte ich eine unglückliche Kindheit und Jugend, ich glaube, ich war depressiv damals. Hat aber niemanden interessiert, ich wurde nur gerügt dafür, dass ich zu melancholisch war, zu nervös (ich bin HSP, mich störten damals schon laute Geräusche, zu viel Licht etc.), ich bekam Schimpfe, weil ich so gut wie nie lachte (Originalton Mutter: „die geht zum Lachen in den Keller“, Vater gab mir den Spitznamen „Sauertopf“). Aber: worüber hätte ich denn auch lachen sollen?! Es gab so gut wie nichts. Nur wenn ich getrunken hatte, war ich glücklich.

Dann kam mein erster Lebensgefährte, zu dem ich mit 17 zog. Und es ging erst richtig los… Alkohol gabs auch keinen mehr, er war Moslem, wir hatten so etwas nicht im Haus, weil es verboten war. Also traf mich die Depression mit voller Wucht, es gab kein Entrinnen. Mein Dasein bestand nur aus Arbeit, Schmerz und Leid. Ich wurde kontrolliert, gedemütigt, beherrscht und musste das alles ertragen.

Irgendwann ging es nicht mehr… Es war ein Freitag oder Samstag, er war alleine in die Disco gegangen, hatte sich aufgebrezelt mit einem chicen neuen Hemd, ich kann mich noch genau erinnern, wie es aussah. Irgendwas zerbrach damals in mir. Die Tabletten hatte ich allerdings schon vorher gebunkert in meinem Schminkkoffer, für die Notsituation, wenn ich die ganze Misere nicht mehr ertragen könnte.

Er war also weg, ich zog mich schön an, nahm den Schlüssel der leeren Wohnung im unteren Stockwerk vom Schlüsselbrett (mein Ex war Hausmeister gewesen). Ich stieg die Treppe hinab, schloss die Wohnung auf, ließ die Türe angelehnt, ging zurück in unsere Wohnung, hängte den Schlüssel zurück, nahm die Tablettenschachtel, verabschiedete mich von meiner Katze…

In der leeren Wohnung unten lagen noch Sachen vom Vormieter (mit ihm hatte ich ein Techtelmechtel gehabt, es war der Südamerikaner gewesen), ich nahm die Tabletten und legte mich auf das alte Federbett, das in der Ecke lag, und schlief ein. Ich hatte wirre Träume, war in meiner Küche, dort lag ein Blumenstrauß in der Spüle, er war für eine andere Frau…

Irgendwann wachte ich auf, ich lag in meinem Bett, Polizisten redeten auf mich ein, ich dämmerte wieder weg. Dann wurde ich mit einer Ambulanz ins Krankenhaus gefahren, keine Ahnung, was dann geschah. Am Abend war ich wieder daheim, ich lag auf dem Sofa, mir tat der Kopf weh. Als ich hinfasste, hatte ich Blut an der Hand… mein Ellenbogen war mehr schwarz als blau… offenbar hatte ich im Delirium die Wohnung unten verlassen und war dann die Treppe hinuntergefallen, dann hatten mich Nachbarn gefunden. Mein Ex war sehr unfreundlich zu mir, kümmerte sich überhaupt nicht um mich. Und am Montag ging ich wieder arbeiten, als sei nix gewesen… was mich nicht umbringt, macht mich stärker.

Aber heute bin ich heilfroh, dass ich noch lebe. Denn das Leben, insbesondere mein Leben, ist einfach wunderbar ❤

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7 Gedanken zu “Prost…

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