Hoch die Hände…

… Wochenende! Fast geschafft, morgen kann ich ausschlafen 🙂 Schlafen wird immer wichtiger für mich habe ich den Eindruck. Nichts ist süßer, als in den sanften Schlummer hinüberzugleiten und morgens dann nicht durch den Wecker gestört zu werden. Schön langsam von selbst wach werden ist das Größte. Obwohl, das ist eigentlich nix Neues, war bei mir schon immer so, das hab ich wohl von meinem Vater.

Während meine Mutter immer um 7 aus dem Bett sprang, blieb er gerne lange liegen. Er schlief überhaupt sehr gerne, ging oft schon um 9 ins Bett, während meine Mutter noch Filme guckte. Er sagte immer, dass das Bett sein Lieblingsort wäre. Überhaupt bin ich meinem Vater in einigen Sachen ähnlich, er war sehr schlau, hatte Charisma, konnte gut Leute manipulieren, war immer etwas undurchsichtig und auch ein ziemlicher Einzelgänger. Meine Mutter sagte immer, mein Vater und ich würden immer streiten, weil wir zu ähnlich seien. Da war wohl was dran!

Allerdings hatte er auch Züge, die ich schon als Kind kaum ertragen konnte. Er war launisch wie eine Diva, dabei aber auch cholerisch und aggressiv. Wenn er viel getrunken hatte (und das war sehr oft), dann wurde er melancholisch und weinerlich, das konnte ich gar nicht ab. Ich habe es regelrecht gehasst, wenn er Schwäche zeigte. Mein Vater sollte immer der starke Held sein, der den Karren aus dem Dreck zieht, den andere reingefahren hatten. Seine Schwäche war für mich als Kind beängstigend, ich wollte Stärke sehen.

Wenn ich mir das im Nachhinein so ansehe, dann war er selten stark. Er wurde von der ganzen Familie behandelt wie ein rohes Ei und immer mit Samthandschuhen angefasst, jeder musste auf seine Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Alle hatten allergrößten Respekt vor ihm (oder war es nur Angst?!), sogar seine eigene Mutter ordnete sich seinen Wünschen unter. Wenn er krank war, dann ging fast die Welt unter – das kam oft vor, er hatte eigentlich immer irgendwas, manchmal machte er mich dafür verantwortlich, weil ich ihn zu viel ärgern würde. Ich bin öfter mit ihm aneinander geraten, als ich in die Pubertät kam, weil ich nicht einsehen wollte, dass er immer eine Sonderstellung hatte. Er hatte seinen Platz in der Familie und steuerte seinen Part bei (Alleinverdiener), alle anderen hatten auch ihre Aufgaben, warum also diese Extrawürste?! Ich verstand das nie.

Wenn ich getrunken habe, dann werde ich nur lustig, und wenn es zu viel war, dann schlafe ich einfach ein, melancholisch werde ich davon nicht 😀 Das war aber auch schon mal anders. Als D. mit mir Schluss gemacht hatte, heulte ich, wenn ich gesoffen hatte. Allerdings nur alleine im stillen Kämmerlein, das sollte keiner sehen, die Tränen benetzten nur das weiche Fell meiner Herzkatze. Mich hat kaum ein Mensch jemals weinen sehen, seit ich erwachsen bin, höchstens aus Freude. Ich gestehe mir selbst auch keine Schwäche zu, zumindest nicht vor anderen Leuten.

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